Köln – Vorsitzender der Amazonassynode – Adveniat

9. Dezember 2019 Newsdesk/ahi
Pedro Kardinal Barreto und Übersetzer.

Köln. Der Vorsitzende der Amazonassynode Pedro Kardinal Barreto hat in Köln die Empfehlungen der Synodenväter verteidigt. Die Rolle verheirateter Männer in der Seelsorge sei nicht das zentrale Thema der Versammlung gewesen, betonte der peruanische Erzbischof am Freitagabend während einer Veranstaltung in St. Ursula. „Für uns war und ist es zentral, das Leid der Menschen zu hören, die unter problematischen Umständen zu leben haben“, erklärte Kardinal Barreto.

Als einer von drei Vorsitzenden hatte der Jesuit im Oktober die Amazonassynode im Auftrag von Papst Franziskus geleitet. Drei Wochen beratschlagten Bischöfe, Ordensleute und Umweltexperten im Vatikan, wie die katholische Kirche aktuelle Herausforderungen im Amazonasgebiet – darunter Regionen in Peru – bewältigen kann. Vor allem die dortigen Ureinwohner, Kleinbauern und Flussanrainer leiden unter Klimaerwärmung, Umweltzerstörung und wachsender Armut.

Außerdem kann die Kirche die Gemeinden des riesigen Amazonasgebiets mit seinen abgelegenen Dörfern nicht flächendeckend mit Priestern versorgen. Mancherorts übernehmen deshalb nicht geweihte Männer oder auch Frauen leitende Aufgaben in den Gemeinden. In ihren abschließenden Vorschlägen empfehlen die Synodenväter die Zulassung sogenannter Viri Probati – also von bewährten, verheirateten, männlichen Gemeindemitgliedern – in den abgelegensten Regionen Amazoniens. Viele Medien hatten die Empfehlung so interpretiert, dass der Zölibat weltweit infrage stehen könnte. Die Synode war daher teilweise scharf kritisiert worden.

Kardinal Barreto: Zölibat war nicht das zentrale Thema

„Was öffentlich diskutiert wurde, stimmt aber nicht“, betonte Kardinal Barreto in Köln. „Der Papst hatte nie vor, den Zölibat abzuschaffen. Das war nicht das Thema.“ Im Zentrum der Synode hätten die Probleme der Menschen und der Umwelt gestanden. „Was nützt es, wenn Priester vor Ort sind – seien sie verheiratet oder nicht verheiratet –, wenn der Wald brennt und die Menschen davon müssen?“, fragte der Jesuit.

Angesichts des Klimawandels und der Zerstörung des Regenwalds fordern die Synodenteilnehmer ein verändertes Wirtschaftssystem sowie Solidarität mit den ausgebeuteten Regionen. Die Vorschläge haben keine bindende Wirkung, sondern werden dem Papst zur Beurteilung vorgelegt. Das offizielle Abschlussdokument des Heiligen Vaters wird im kommenden Frühjahr erwartet.

Adveniat unterstützt Kardinal Barreto

Kardinal Barreto war im Rahmen der diesjährigen Adveniat-Aktion nach Köln gekommen. Das katholische Hilfswerk, das verschiedene Projekte in Lateinamerika unterstützt, macht jedes Jahr im Advent auf sein Engagement aufmerksam. Der Gastgeber des Abends in St. Ursula war der Koordinator für den Sendungsraum Köln-Mitte, Pfarrer Dominik Meiering. Als er erfahren habe, dass Kardinal Barreto in die Region komme, habe er ihn sofort einladen wollen: „Ich wollte den Mann mal live erleben.“